St. Clemens e.V.
Gedanken zum Jahreswechsel 2008 / 2009
Marx, 30. Dezember 08
Liebe Freunde in Deutschland und Umgebung!
Zum letzten mal im „alten Jahr“ setze ich mich an den Computer und schreibe diesen Brief. Es geht um einen Besuch am Schwarzen Meer, von dem ich gestern heimkehrte. Nun kann ich sagen, dass die sogenannten Visitationen der Pfarreien abgeschlossen sind, für die ich zwei volle Jahre gebraucht hatte, bevor ich bald, Ende Januar, mit den anderen katholischen Bischöfen aus Russland zum „Ad Limina Besuch“ nach Rom fliege, um Rechenschaft über unseren Dienst zu geben.
Für das Jahresende hatte ich mir eine Gemeinde ganz im Süden, direkt am Schwarzen Meer, aufgehoben: Anapa und die von da aus betreute Hafenstadt Noworossijsk. Im Winter, wenn bei uns schon alle Straßen überfroren oder gar zugeweht sind, kann man sich im Süden problemlos fortbewegen, so hatte ich gedacht. Weit gefehlt! Eine Flugverbindung gab es nur bis Krasnodar. Die letzten 150 km sollte mich Pater Jacek, der Pfarrer, mit dem Auto holen. Sein Kaplan ist zurzeit im Ausland, denn das russische Ausländergesetz macht es keinem unserer Geistlichen dort im Süden des Bistums möglich, ständig vor Ort zu sein. Immer noch müssen viele nach drei Monaten Seelsorge in Russland für volle drei Monate ausreisen. Das nimmt Mut und Freude, sehe ich bei Einzelnen immer deutlicher. Eine Entfremdung geht vonstatten, die Priestern wie Gemeinden gleichermaßen schadet.
Pater Jacek erwartete mich pünktlich am Flughafen. Sein Auto machte von außen einen sehr winterlichen Eindruck, obwohl der Parkplatz trocken und schneefrei war. „Ein paar Kilometer vor der Stadt gehe es los“, lächelte er. Ich, der ich nicht gern als Beifahrer im Auto sitze, prüfte sofort die Reifen und fand nichteinmal das beruhigende „M+S“ (Matsch und Schnee), während wir in Saratow doch alle schon längst mit Winterreifen und Spikes unterwegs sind. Aber schließlich war er gekommen, also wird es auch einen Weg zurück geben, überzeugte ich mich selbst.
Unterwegs wurden die Straßen immer glatter, ein Auto vor uns geriet von der Fahrbahn ab, LKWs standen, bzw. lagen umgekippt am Straßenrand. Auch wir selber kamen ins Schleudern. Als der Pfarrer mir vorschlug, unterwegs auf einer Außenstation einzukehren, die ich selbst noch nicht kannte, willigte ich gern ein. Und als wir etwa 1 km vor dem Teilziel in der Stadt Krymsk im Schnee stecken blieben, rief Pater Jacek nach Anapa an, wo schon eine Helfer in Bereitschaft saß, um uns mit einem weit besseren Auto abzuholen.
Wir feierten inzwischen hl. Messe im Haus einer assyrischen Familie. Etwa 15 Personen waren gekommen: gute, einfache, arme Leute. Im Anschluß aßen wir alle an einem großen Tisch in der Küche. Der hundertjährige Küchenschrank sei aus Helenendorf in Azerbaidzhan am Kaspischen Meer. Dort hätten jene Assyrer früher in der Nachbarschaft vieler Deutscher gelebt. Jeder hatte etwas zum Essen mitgebracht. Im Haus herrschte urkirchliche Atmoshäre.
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