St. Clemens e.V.
Diözese St. Clemens in Saratow
Bischof Clemens Pickel
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Saratow, den 11.11.2008
Liebe Freunde im deutschen Sprachraum!
Heute schreibe ich einmal einen Brief, der so gut wie nichts von konkreten Ereignissen in meinem Bistum erzählt. Schon lange denke ich, wäre es Zeit, wieder einmal zu schreiben. Aber es gelang bisher nicht. Nun habe ich eine „Notlösung“ gewählt, die ihrerseits dann aber vielleicht auch eine anstehende Not-Lösung für andere werden könnte. Ich verwende ein paar meiner Aufzeichnungen von gestern abend, die eigentlich für jemanden anderes bestimmt waren. „Eigentlich“ heißt nicht „ausschließlich“, auch wenn es auf den ersten Blick anders scheinen sollte!
Seit Jahren gibt es in unserem Priesterseminar in St. Petersburg eine kleine Zeitschrift, die den großen Namen „Berufung“ trägt. Vom derzeitigen Redakteur bekam ich am 15. Oktober, dem Weihetag unserer Kathedrale, aber auch dem Fest der heiligen Teresa von Avila, die Bitte um einen Artikel über Gebet auf meinen Tisch. Als Begründung gab er an, dass ich in meinen Predigten oft davon spreche und eben das Thema Gebet für die kommende Ausgabe geplant sei. Ich freute mich über den aufmerksamen Zuhörer und sagte zu. Ich habe den Text im Deutschen ganz leicht bearbeitet und wage ihn nun weiterzugeben. Vielleicht ist es eine Möglichkeit zur Besinnnug, zum (Wieder-)anfang? Schon bald wird Advent. Nach der Ermordung zweier katholischer Priester, Ende Oktober in Moskau, haben wir den Ernst und die Kostbarkeit des Lebens auf besondere Weise gefühlt. Warum bleiben wir dann aber trotzdem, wie wir sind? Wenn die folgenden Gedanken über Berufung und Gebet auch keine konkrete Anleitung darstellen, wecken sie doch hoffentlich zumindest die Einsicht der Einen und die Sehsucht der Anderen.
Um nun nicht lange nach einem Ansatz für die Zeitschrift unserer Seminaristen zu suchen, könnte man doch unendlich viel und aus vielerlei Richtung über Gebet sprechen, kehrte ich zur Heiligen des 15. Oktobers zurück. Jene große Ordensfrau war davon überzeugt, dass Gott jeder ihrer Schwestern die Gnade mystischen Gebets schenken wird, wenn die Schwestern es nur wirklich wollen und mitarbeiten. Manche von uns winken da gleich ab, fühlen sich nicht angesprochen und meinen, dass sie ja gar keine Mystiker werden wollen. Wirklich nicht? Was denn dann? Durchschnittschristen, weder heiß noch kalt (vgl. Offb 3,16: „Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.“)? Das Thema finden wir auch bei dem deutschen Theologen Karl Rahner, dessen vielzitiertes „Der Christ des nächsten Jahrhunderts wird Mystiker sein, oder er wird gar nicht sein“, zu denken und zu verstehen gibt.
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